Häufige Fragen

Was Eltern häufig wissen möchten


    Wann muss ich das Daumenlutschen oder Schnullern abgewöhnen?

    Das Lutschen am Daumen oder Schnullern ist in den ersten 12-18 Lebensmonaten ein kindliches Bedürfnis und somit völlig normal. Im Laufe des 2. Lebensjahres sollten Sie beginnen, das Schnullern gezielt einzuschränken, z.B. den Schnuller nur noch zum Einschlafen zu geben. Sonst wird aus dem Saugbedürfnis eine schlechte Angewohnheit. Mit Beginn des 4. Lebensjahres sollte das Schnullern und wenn möglich das Daumenlutschen abgewöhnt sein. Um Verformungen der Kiefer zu vermeiden, verwenden Sie den Dentistar oder bleiben bei der kleinsten Schnullergröße (www.beruhigungssauger.de).


    Ist Stillen für die Kiefer- und Zahnentwicklung meines Kindes wichtig?

    Stillen Sie Ihren Säugling! In den ersten sechs Lebensmonaten ist Muttermilch die beste Säuglingsnahrung. Der enge Körperkontakt beruhigt Ihr Kind. Gleichzeitig kräftigt das Saugen die Kiefer, Lippen, Zunge und die übrige Kopf- und Halsmuskulatur. Das wirkt positiv auf eine harmonische Zahn- und Kieferstellung, was in der Folge eine kieferorthopädische Behandlung häufig erübrigt. Das Stillen strengt zudem Ihr Kind an, so dass es müde und zufrieden einschläft. Falls Sie nicht stillen, sollten Sie keinesfalls das Loch des Saugers der Flasche erweitern. Auch bei Flaschennahrung sollte sich Ihr Kind während des Trinkens anstrengen müssen.


    Wie wichtig sind die Milchzähne für mein Kind?

    Sie sind die Grundlage für lebenslange Zahngesundheit. Kinder, deren Milchgebiss kariesfrei geblieben ist, haben auch im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren zu 90 % kariesfreie bleibende Zähne, während etwa die Hälfte der Kinder mit Milchzahnkaries bereits in der sechsten Klasse auch Karies an bleibenden Zähnen aufweist, wie eine Studie aus dem Jahr 2002 festgestellt hat.
    Ihr Kind braucht die gesunden Zähne zum Abbeißen und zum Zerkleinern der Nahrung und zur Sprachbildung. Die Milchzähne haben Platzhalterfunktion für das bleibende Gebiss und erhöhen die Ausstrahlung und damit das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Gerade Kinder im Kindergartenalter werden oft wegen ihrer schwarzen Zähne rücksichtslos gehänselt und leiden sehr darunter. Zudem haben Kinder mit kranken Zähnen häufiger Infektionen (z.B. Grippe, Schnupfen, Husten), häufiger eine chronische Blutarmut sowie eine verminderte Produktion von Wachstumshormonen. Auch das Lernverhalten und die soziale Kompetenz sind eingeschränkt.


    Wie viele Zähne hat das Milchgebiss?

    Im Oberkiefer hat Ihr Kind zehn Zähne, ebenso im Unterkiefer; rechts wie links jeweils zwei Schneidezähne, einen Eckzahn und zwei Backenzähne. Die ersten Zähne brechen im Alter von 6-8 Monaten durch, das Milchgebiss ist mit ca. 2 1/2 Jahren vollständig.


    Wann und wo erscheint bei meinem Kind der erste bleibende Zahn?

    Zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr brechen hinter den letzten Milchzähnen die ersten bleibenden Backenzähne durch. Erst danach fallen die Frontzähne Ihres Kindes aus und werden durch bleibende Zähne ersetzt. Tipp: Mit dem üblichen Zahnputzen erreichen Sie die ersten bleibenden Backenzähne nicht, da sich diese hinter den Milchzähnen lange Zeit „verstecken”. Nehmen Sie die Zahnbürste quer und putzen jeden durchbrechenden Backenzahn einzeln.


    Was kann ich durch Ernährung für die Zähne meines Kindes tun?

    Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist gut für die Zähne und für den ganzen Körper, denn rohes Gemüse, frisches Obst und Vollkornbrot enthalten genau die Nährstoffe, die Ihr Kind zur optimalen Entwicklung benötigt. Außerdem regen diese Lebensmittel den Speichelfluss an, weil sie kräftig gekaut werden müssen. Durch das Kauen entsteht sehr viel mehr und qualitativ besserer Speichel. Speichel ist unser wichtigstes natürliches Schutzsystem im Mund. Speichel spült, schützt, repariert und härtet die Zähne. Speichel schützt Zähne und Zahnfleisch. Der Speichel ist sozusagen die Reparaturwerkstatt für die Zähne und damit der Abwehrspieler gegen den Angreifer Zucker. Dafür muss der Speichel

    1. an die Zähne herankommen können, d. h. die Zähne müssen frei von Zahnbelag (=sauber) sein und
    2. genügend Zeit haben, d. h. 16 Stunden Reparatur können ca. 8 Stunden Angriff ausgleichen.

    Die Reparaturzeit setzt sich zusammen aus der Nacht, wenn Sie Ihrem Kind am Abend alle Zähne von allen Seiten sauber geputzt haben und am Vormittag, wenn Sie ihn „zuckerfrei” gestalten (siehe "Zuckerfreier Vormittag").

    Die zuckerfreien Stunden am Vormittag erlauben einen süßen Nachtisch nach dem Mittagessen und das Naschen am Nachmittag, wobei gilt: lieber mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen ein leckeres Eis, ein Stück Kuchen, ein paar Gummibärchen auf einmal genießen, als in kleinen Portionen über den Nachmittag verteilt essen.


    Was soll mein Kind trinken?

    Gewöhnen Sie Ihr Kind von Anfang an ans Wassertrinken (Wasser / Mineralwasser, ungesüßte Tees). Sie sparen sehr viele Kalorien und sehr viele Zuckerimpulse. Denken Sie daran: Geschmack wird anerzogen! Was wir kennen, schmeckt uns. Wenn Ihr Kind süße Getränke kennen gelernt hat, schmeckt Wasser nicht mehr. Kennt es den Wassergeschmack, liebt es das Wasser. Wasser ist ein Durstlöscher. Mit Wasser ist Ihr Kind konzentrierter, besser gelaunt und aktiver.


    Was ist der sogenannte „zuckerfreie Vormittag”?

    Zuckerfreier Vormittag heißt, nach dem morgendlichen Zähneputzen bis zum Mittagessen kauaktive, naturbelassene Lebensmittel und Getränke ohne Zucker (z.B. Wasser/Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchte-Tees) aussuchen. Kauaktive Lebensmittel sind: rohes Gemüse, frisches Obst, mit Käse oder magerer Wurst belegtes Brot, Vollkornflocken, Nüsse und Samen. Kinder knabbern gern: Schneiden Sie deshalb das Obst und Gemüse in mundgerechte Stücke.


    Ab wann kann mein Kind aus dem Becher trinken?

    Ab dem 6.-9. Monat kann Ihr Kind anfangen mit Ihrer Hilfe aus dem Becher/Tasse zu trinken, ab dem 12. Monat lassen Sie Ihr Kind nur noch aus dem Becher oder aus der Tasse trinken. Schnabeltassen und andere Trinkhilfen sowie Radlerflaschen sollten Sie im Übergang nur kurzzeitig verwenden.


    Darf ich meinem Kind die Nuckelflasche überlassen?

    Überlassen Sie niemals Ihrem Kind die (Plastik-) Nuckelflasche zur „Selbstbedienung’’ im Kinderwagen oder nachts im Bettchen. Das Dauernuckeln führt sehr schnell zur massiven Zerstörung der Frontzähne Ihres Kindes. Durch das Dauernuckeln entwickelt Ihr Kind außerdem eine falsche Zungenlage, welche dazu führt, dass Ihr Kind weder gut kauen noch richtig schlucken und auch nicht deutlich aussprechen lernt. Die Nuckelflasche hilft auch nicht beim Durchschlafen. Ganz im Gegenteil: Trinken in der Nacht führt dazu, dass Ihr Kind immer wieder aufwacht und immer wieder trinken will. Die Nuckelflasche raubt Ihnen und Ihrem Kind den Schlaf.


    Welche Rolle spielt Fluorid für die Zähne und Knochen meines Kindes?

    Fluorid ist ein natürlicher Bestandteil des pflanzlichen und tierischen und damit auch des menschlichen Lebens. Wir nehmen über unsere Nahrung, unser Trinkwasser und die Luft immer gewisse Mengen Fluorid auf. Fluorid wird daher als ein für den Menschen essentielles Spurenelement zum Knochen- und Zahnaufbau angesehen. Fluorid hilft sehr gut, Karies zu verhindern. Vereinfacht gesagt: Fluorid härtet die Zähne. Fluoride zur Kariesprophylaxe werden heute individuell dosiert. Ihr Zahnarzt sagt Ihnen, ob Speisesalz mit der Aufschrift „Jod und Fluor” und fluoridhaltige Kinderzahnpasta oder ausnahmsweise Fluoridtabletten für Ihr Kind richtig sind.


    Wann beginne ich mit der Zahnpflege bei meinem Kind?

    Die Zahnpflege beginnt mit der Geburt Ihres Kindes! Schauen Sie regelmäßig in den Mund Ihres Kindes und fühlen, bzw. massieren Sie den Kieferkamm. Ist der erste Milchzahn Ihres Kindes durchgebrochen, reinigen Sie ihn täglich von allen Seiten mit einer kleinen und weichen Zahnbürste und einem Hauch fluoridhaltige Kinderzahnpasta (maximal 500 ppm Fluorid). Jeden weiteren Zahn Ihres Kindes pflegen Sie genauso, immer abends vor dem Schlafengehen.


    Welche Zahnbürste und Zahnpasta ist die richtige für mein Kind?

    Die Zahnbürste muss dem Alter Ihres Kindes angepasst sein. Ihr Zahnarzt hilft Ihnen bei der richtigen Auswahl. Benutzen Sie eine erbsengroße Menge neutral schmeckende Kinderzahnpasta (Kinderzahnpasta enthält maximal 500 ppm Fluorid. Achten Sie auf die „ppm Fluorid’’-Angabe auf der Zahnpasta-Verpackung bzw. -Tube). Nach dem 2. Geburtstag werden die Zähne morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen mit einer erbsengroße Menge Kinderzahnpasta geputzt.


    Wie soll mein Kind sich die Zähne putzen?

    Zähneputzen will gelernt sein! Regelmäßige und systematische Zahnpflege muss wie das tägliche Händewaschen trainiert werden. Im 3. Lebensjahr können Sie mit dem Üben beginnen. Wichtig ist, dass Ihr Kind immer in der gleichen Reihenfolge die Zähne putzt: Ganz einfach geht es mit der KAI-Zahnputzsystematik.

    K: Putzen der „K”auflächen (unten: eine Seite, andere Seite; oben: eine Seite, andere Seite)

    A: Bei zusammengebissenen Zähnen („Knurren wie ein Tiger”) Kreise auf die „A”ußenseiten malen (vorn, eine Seite, andere Seite)

    I: Putzen der „I”nnenseiten (Bewegung wie Gasgeben beim Motorradfahren unten und oben in 3 Abschnitten: vorn, eine Seite, andere Seite)


    Ab wann kann ich die Zahnpflege meinem Kind alleine überlassen?

    Mit Schulbeginn beherrscht Ihr Kind die KAI-Zahnputzsystematik perfekt. Trotzdem sind die Zähne Ihres Kindes nicht wirklich sauber, d.h. frei von Zahnbelag. Deshalb müssen Sie als Eltern die Zähne Ihres Kindes abends vor dem Schlafengehen immer zusätzlich von allen Seiten sauber putzen. Zähne müssen sauber schlafen gehen. Nur saubere Kinderzähne bleiben gesunde Kinderzähne. Erst wenn Ihr Kind flüssig Schreibschrift schreiben kann, kann es eine Erwachsenen-Zahnputztechnik erlernen und damit selbst für saubere Zähne sorgen.


    Mein Kind will sich seine Zähne nicht putzen lassen. Was kann ich tun?

    Lassen Sie Ihr Kind auf alle Fälle sitzen! Ihr Kind kann nicht 3 Minuten still stehen, bis Sie seine Zähne sauber geputzt haben.

    Erzählen Sie von einem Tagesereignis, lenken Sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf bekannte Personen, Tiere, Spielsachen usw. Das Thema Zähneputzen wird gar nicht angesprochen. Das passiert einfach nebenbei. Oder personalisieren Sie Zähne und Zahnbelag: „Deine Zähne rufen, wir wollen sauber sein und strahlen. Wir wollen geputzt werden!” oder „Jetzt jagen wir die ganze Karies-Bande (Zahnteufel, Zahn-Monster u.ä.) raus aus deinem Mund!” oder „Da hinten versteckt sich einer, den haben wir gleich. Weg vom Zahn, raus aus dem Mund!”

    Zahnpflege sollte eine selbstverständliche Routine sein – ein Ritual morgens nach dem Frühstück und abends: Waschen – Schlafanzug anziehen – Zähne putzen – Geschichte vorlesen – Gute Nacht! Abwechslung bringt neuen Spaß am Zähneputzen: Lassen Sie Ihr Kind eine neue Zahnbürste / Zahnpasta aussuchen.

    Ganz wichtig! Drohen Sie nie mit dem Zahnarzt oder mit Zahnschmerzen, z.B.: „Wenn wir deine Zähne nicht putzen, dann kriegen sie Löcher und dann müssen wir zum Zahnarzt und der …” Besser ist: „Zähne werden schmutzig im Laufe des Tages und deshalb wollen sie geputzt werden.”


    Wie häufig soll ich mit meinem Kind zum Zahnarzt gehen?

    In der Regel jedes halbe Jahr zur Kontrolle und Vorsorge, bei anfälligen Zähnen häufiger. Ihr Zahnarzt wird Ihnen den für Sie und Ihr Kind richtigen Zeitabstand empfehlen.


    Wie kann ich mein Kind auf den Zahnarztbesuch vorbereiten?

    Achten Sie darauf, dass Omas, Opas, Verwandte und Bekannte Ihrem Kind nicht die typischen Zahnarzt-Stories erzählen (keine Drohungen!). Wenn Sie selbst kein gutes Gefühl beim Zahnarztbesuch haben, machen Sie für Ihr Kind einen separaten Termin aus. So ermöglichen Sie Ihrem Kind, seine eigenen positiven Erfahrungen zu sammeln.

    Gute Kinderbücher zur Vorbereitung wie z.B. „Ich hab eine Freundin, die ist Zahnärztin”, „Heute gehe ich zum Zahnarzt”, finden Sie in der Mediendatenbank.

    Tipp: Fragen Sie die Erzieherinnen Ihres Kindes, ob diese mit der ganzen Kindergartengruppe die Praxis ihres Patenschaftszahnarztes besuchen dürfen.


    Wie schützen sich Zahnspangenträger vor Karies?

    Gerade bei Menschen mit erschwerter Mundhygiene – wie z. B. Zahnspangenträgern – zeigt sich, dass Zähneputzen allein nicht genügt. Bei ihnen ist das Kariesrisiko deutlich erhöht. Zahnspangen haben kleine Nischen und unebene Oberflächen, die begünstigen, dass sich Zahnbelag bildet und ansammelt. Zusätzlich zu einer fluoridhaltigen Zahnpasta sollte eine fluoridhaltige Zahnspülung verwendet werden, die weder Farbstoffe noch Alkohol enthält. Zur intensiven Kariesprophylaxe sind bei Zahnspangenträgern höher konzentrierte Fluoridpräparate zu empfehlen.


    Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH), Dr. Andrea Thumyeyer